Chronik

Zürich-Affoltern um 1820
Dorfplan um 1820

Hier haben wir eine kleine Chronik für Sie zusammengestellt. Es handelt sich um einen kleinen Auszug, welcher keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
(Verfasser: Theo Pape (1930–2007), ehemaliges Vorstandsmitglied des QV/Pia Meier, Vizepräsidentin QV (2014)

Von Affaltrahe zu Zürich-Affoltern

Der Chatzensee, besser die Chatzenseen und ihre liebliche Umgebung haben Affoltern zu bescheidenem Ruhm verholfen. Sie gehören zwar nur zur Hälfte zu Affoltern bzw. (heute) zur Stadt Zürich, die andere Hälfte liegt auf Regensdorfer, genauer Watter Boden.
Die Seen und die liebliche Landschaft sind Zeugen der letzten Eiszeit. Und vielleicht waren die Seen und ihr Fischreichtum auch der einzige Grund, warum sich früh Menschen in diesem Teil des Furttales zeitweise niederliessen, waren doch bis ins letzte Jahrhundert grosse Teile des Talbodens versumpft und kaum begehbar, die Nordhänge gegen Höngg nass und unwirtlich! Wohl fand man aus der Steinzeit (etwa 4000 Jahre v. Chr.) Werkzeuge und Waffen, wohl liegen im Landesmuseum Funde aus der Eisen- und Bronzezeit (letzte Ausgrabungen beim Bau der A20 im Jahre 1979 im Raume «Horenstein» mit Funden von der Bronze- bis zur Römerzeit), aber eindeutige Hinweise auf ständig bewohnte Siedlungen fehlen bis weit in unsere Zeitrechnung hinein.
Auch die Römer waren da! Aber bis auf nie erforschte Ruinen im Althoos in Neuaffoltern weiss man wenig aus jener Zeit; nur dass sie da waren, nach den Helvetiern, auf Gutshöfen ausgedienter Soldaten vielleicht, das scheint gewiss.
Die Gegend des ehemaligen Dorfes Affoltern lag abseits grosser Heerstrassen! Erst im fünften Jahrhundert, als die Alemannen aus dem Norden das römische Reich bedrängten und auch unser Furttal eroberten, fanden Hofgründungen statt, wurden Menschen bei uns sesshaft.
Und erst im neunten Jahrhundert erfahren wir in einem Zinsrodel, welcher in der Stiftsbibliothek des Klosters St.Gallen liegt, zum ersten Mal von einem Besitz, einem Hof oder von Höfen namens AFFALTRAHE, AFFALTRA, AFFOLTERA, dann AFFALTRON. Es handelt sich wohl um die Vorläufer unseres ehemaligen Oberdorfes und Unterdorfes. Aber immer noch träumte Affoltern vor sich hin, bis im 11. Jahrhundert ein Regensberger - war es ein Lütolf aus Affoltern? - am grossen See seine Burg erbaute.
Bald aber schon gründete das stolze Geschlecht seinen neuen Sitz, das Städtchen Neu-Regensberg, heute noch das einmalige Wahrzeichen des Zürcher Unterlandes. Doch - wie gewonnen, so zerronnen: das Geschlecht der Regensberger starb nach wenigen Generationen aus, seine Stammburg Alt-Regensberg, die «Alte Burg», wechselte oft die Besitzer, zerfiel, bis - nachdem sie lange Zeit sogar als «Steinbruch» gedient hatte - nur noch eine Ruine zurückblieb.
Und ausgerechnet diese Ruine war es, die, zusammen mit dem lieblichen See, seit 300 Jahren unzähligen Zeichnern, Stechern und Malern als romantisches Sujet diente und ein Stück Affoltern auf vielen graphischen Blättern, Kupfer- und Stahlplatten festhielten und so Affoltern zu bescheidenem Ruhm oder wenigstens zu bescheidener Bekanntheit führte.
Sonst aber blieb das Dorf ohne Bedeutung und grosse Eigenstän digkeit, was sich unter anderem auch darin äusserte, dass es bis ins 17. Jahrhundert in Höngg kirchengenössig war, später bald zum Bezirk Dielsdorf, bald zu Bülach gehörte.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde es endgültig zum Bezirk Zürich geschlagen, und - im Unterschied zu Affoltern am Albis - hiess es bis 1934 Affoltern bei Zürich. In diesem Jahr nämlich griff die Stadt Zürich über den Milchbuck ins Glatt- und Furttal, und neben Schwamendingen, Oerlikon (welches früher zu Schwamendingen gehörte!) und Seebach ereilte auch Affoltern sein Schicksal: es wurde eingemeindet und bildete fortan nur noch ein Quartier des Stadtkreises 11 der Stadt Zürich und hiess von nun an Zürich-Affoltern.
Das Unterdorf aber ist ein fast intaktes «Dorf» geblieben. Und wenn unser Quartier mit fast 20›000 Einwohnern zu einer der grössten «Städte» im Kanton Zürich geworden ist, etwas vom alten Dorfgeist ist, nicht nur im Unterdorf, bis heute erhalten geblieben. Und das ist auch gut so!

Die alten Strassen...

Die alten Strassen waren bescheiden und schlecht, ohne festes Bett. Staubig bei Trockenheit, tief und dreckig bei Regenwetter. Die wichtigste Verkehrsverbindung führte aus der Stadt über Wipkingen, den Rötel, den Guggach, dem Wald entlang (Käferholzstrasse) über das Althoos zum «Grossen Stein» (Glaubten), folgte dem Hürst (Fronwaldstrasse), ging durchs Unterdorf und über den Horenstein und das Hünerhell (Seeholz) nach Watt und weiter nach Niederhasli. Es war die Hauptverbindung zum bedeutenden Messeort Zurzach.
Sonst führten nur unbedeutende Fahrwege in die umliegenden Dörfer (Rümlang, Seebach und Oerlikon). Die Wege nach Höngg waren schlecht und steil. Die Strasse nach Regensdorf vereinigten sich für Ober- und Unteraffoltern im Holzerhurd (alte Mühlackerstrasse, Furttalstrasse).
Noch nicht ausgebaut war die Wehntalerstrasse Richtung Stadt zum «Fallenden Brunnenhof» (Radiostudio); ihre Fortsetzung ab Oberaffoltern als Verbindung nach Dielsdorf/Koblenz gab es überhaupt noch nicht. Diese wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen Chatzensee und Hänsiried erstellt. Die Regensbergstrasse war noch vor knapp 100 Jahren ein kaum begangener und nicht befahrbarer Feldweg.
Affoltern wurde erst im Jahre 1875 durch die Nationalbahn mit dem öffentlichen Verkehrsmittel erschlossen. Ab 1908 verkehrte zudem ein privater Bus zwischen dem Dorfplatz (Zehntenhausplatz) und dem Milchbuck. Die «Schweizerische Automobil- Betriebsgesellschaft» verlängerte 1909 die Verbindung bis nach Regensdorf, musste aber schon 1912 das Unterfangen aufgeben!

Vom Dorf zur Stadt in der Stadt

Noch auf der Karte von Johann Wild aus der Mitte des letzten Jahrhunderts finden wir nur drei Bauernhöfe im Aldos (Althoos) und ein halbes Dutzend an der Strasse zu Oberaffoltern; sonst war ausser dem Ober- und Unterdorf alles Acker, Wiesland, Pünt und Bungert, Wald, Ried und Ödland!
50 Jhre später, um die Jahrhundertwende, setzte eine erste bauliche Entwicklung ein. Es werden Ein- und Zweifamilienhäuser sowie erste Miethäuser gebaut, es brauchte Dienstlleistungseinrichtungen. Gewerbe und Handel fassen im Dorf Fuss.
So entstehen neben den zwei Dorfkernen drei Nebenzentren:
– In Neuaffoltern wachsen die Häuser und Häuschen den Hang hinauf (Schlösslistrasse, heute Althoossteig, Wannenholz- und Käferholzstrasse). Auch in Richtung Oerlikon und Seebach wird gebaut (Regensberg-, Zelgli-, Zelgwiesen-, Hürst, Hürstholz- und Hürstringstrasse).
– In der «Waldegg» (heute Zentrum Glaubten), wo bislang nur eine Wirtschaft, ein Bauernhaus, Schöpfe und ein Doppelwohnhaus standen, wuchs ein kleines Dorf von Einfamilienhäusern hangaufwärts (Aglei-, Primelstrasse und Rebhüsliweg).
– Im «Einfang» wurde eine Wirtschaft gebaut (Restaurant «Frieden»), entstanden Ein- und Zweifamilienreihenhäuschen sowie Miethäuser.
Die 1934 erfolgte Eingemeindung führte nach und nach zu einer verstärkten Ausrichtung des nunmehrigen Quartiers Zürich-Affoltern auf das Industriegebiet Oerlikon und die bisherige Stadt. Aber erst nach dem zweiten Weltkrieg wuchsen die drei zuvor entstandenen Nebenzentren zusammen und bildeten eine wurmförmige Ansammlung von Häusern, eingeengt durch Chäferund Hönggerberg einerseits, durch Riedland und das Hürst andererseits.
Einen grossen Anteil an der baulichen Entwicklung hatten neben den Privaten vor allem Baugenossenschaften sowie der kommunale Wohnungsbau der Stadt Zürich.
An der Binzmühlestrasse liegen zu beiden Seiten die Bauten der Genossenschaft «Sunnemätteli» (1945), der «GISA» (1948) und der «Baufreunde» (1949 bis 1961). Beidseits der Richtung ETH führenden Glaubtenstrasse befindet sich die in Etappen erstellte kommunale Siedlung Glaubten (1961 bis 1968). Die zwischen der «Waldegg» (Zentrum Glaubten) und dem einstigen Dorfplatz (Zehntenhausplatz) bestehende grosse Lücke wurde von mehreren Baugenossenschaften geschlossen: «Jungholz» (1948, Obsthaldenstrasse), «Süd-Ost» (1948 bis 1950) und «Hagenbrünneli» (1950) an der Obsthalden- und Erchenbühlstrasse. Nach dem «Einfang» folgen die grossräumigen Überbauungen der «Waidmatt» (1956 bis 1960) und der «Frohheim» an der Regula und Wehntalerstrasse sowie «in den Böden». Auf der letzten Wiese neben der Wehntalerstrasse erstellte die «Waidmatt» weitere 50 Wohnungen (1995). Bereits 1945 hatte sie längs der Furttalstrasse Reiheneinfamilienhäuser gebaut. Dahinter am Hang des Hönggerberges, entstand viel später die städtische Überbauung «Furttal» (1980), von den Affoltemern «Arabersiedlung» genannt. Daneben stehen an der Georg Kempfstrasse mehrere grosse private Mehrfamilienhäuser.
Zu erwähnen sind weitere fünf besonders augenfällige Überbauungen:
Unterhalb des ETH-Komplexes auf dem Hönggerberg stehen zwischen Glaubten- und Schauenbergstrasse die Wohnhäuser der «Hagenbrünneli (Lerchenberg) und der «Süd-Ost» (1974 bis 1975 Lerchenhalde, Lerchenain) sowie das Hochhaus «Turicum». Rechts der Verzweigung Wehntaler-/Furttalstrasse befinden sich die Wohnbauten der Shell-Pensionskasse (1986). Im westlichen Teil Affolterns, gegen den Chatzensee hin, zwischen der Furttalstrasse und der 1996/97 auf Doppelspur ausgebauten Bahnstrecke Seebach - Regensdorf, erstreckt sich das grosse Areal der in mehreren Etappen entstandenen «ASIG» Siedlung «Holzerhund» mit ihrem dominanten Hochhaus (1964-1973). Gleich gegenüber, auf der anderen Seite der Furttalstrasse, befinden sich als ältestes genossenschaftliches Werk die Holzhäuser der einstigen Baugenossenschaft «Befreiung», von den Affoltemern damals abschätzig «Negerdorf» genannt.
Westlich des Hürstwaldes, zwischen der Sportanlage und der Strasse Wolfswinkel erstreckt sich die vorwiegend kommunale, teilweise aber auch private Grossüberbauung «Isengrind» und «Stöckenacker» (1969 bis 1981) mit den beiden Scheibenhochhäusern Fronwald/Isengrind.
In östlicher Richtung, längs der Schwandenholzstrasse, ist die gleichnamige Siedlung erstellt worden. Die gegen Seebach hin anschliessende letzte Etappe wurde 1998 erstellt. («Baugenossenschaft Milchbuck» und «Baugenossenschaft Zentralstrasse» sowie mehrere Pensionskassen und Private 1978-1998).

Bauen auf der grünen Wiese

Nach dem 2. Weltkrieg ist Affoltern in erträglichem Rahmen und in Etappen gewachsen. Doch ab 2004 begann für Affoltern eine neue Ära. Entlang der Gleise zwischen Autobahn und Zehntenhausplatz entstand eine Siedlung nach der anderen: CeCe-Areal, ABZ Ruggächer, Im Blumenfeld, Aspholz Nord, Aspholz Süd, Klee und andere Bauten. Die Bevölkerung wuchs bis 2014 um 6000 Personen. Schnell wurde auch der Schulraum zu knapp. So wurde 2013 mit dem Bau der Primarschulanlage Blumenfeld begonnen. Das Schulhaus soll bis Frühling 2016 fertig erstellt sein.

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